Europäische Recyclingindustrie warnt vor Handelsbeschränkungen für Stahlschrott
von Hubert Hunscheidt

Die European Recycling Industries' Confederation (EuRIC) und das Bureau of International Recycling (BIR) äußern große Besorgnis über die Schlussfolgerungen des „Summit on the Future of the European Steel Industry“, der am 27. Februar 2025 in Paris stattfand.
Als europäische und globale Vertreter der Recyclingindustrie repräsentieren unsere Organisationen tausende Recyclingunternehmen. EuRIC ist über seine Mitgliedsverbände in 23 EU- und EFTA-Staaten aktiv und trägt mit einem Umsatz von über 95 Milliarden Euro sowie mehr als 300.000 „grünen“ Arbeitsplätzen erheblich zur europäischen Wirtschaft bei. BIR vertritt über 30.000 Unternehmen in 71 Ländern durch 36 nationale Mitgliedsverbände und über 1.000 direkte Firmenmitglieder.
Besonders besorgt sind unsere Organisationen über die Absicht von Vertretern aus Belgien, Italien, Frankreich, Luxemburg, Rumänien, der Slowakei und Spanien, „den Zugang zu Rohstoffen zu sichern und Stahlschrott in der EU zu halten“ sowie Exporte in Länder zu beschränken oder zu verbieten, die nicht über vergleichbare Umwelt- und Produktionsstandards wie Europa verfügen.
Diese Vorschläge beruhen auf falschen Annahmen, die dringend korrigiert werden müssen:
Kein Mangel an recyceltem Stahl in Europa
Die europäische Recyclingindustrie verarbeitet jährlich über 100 Millionen Tonnen Stahl, von denen etwa 80 % innerhalb Europas genutzt werden. Die restlichen 20 % werden exportiert, weil die EU nicht über ausreichende Kapazitäten zur Verarbeitung des gesamten recycelten Stahls verfügt. Dies ist kein „Leck“, sondern eine effiziente Ressourcenverteilung in einem funktionierenden Markt.
Recycelter Stahl – ein Begriff, der seinen tatsächlichen Wert besser widerspiegelt als „Schrott“ – ist eine weltweit gefragte Ware. Jahrzehntelange Erfahrung, stabile Lieferketten und der internationale Handel haben europäische Recyclingunternehmen zu globalen Vorreitern in Effizienz und Umweltstandards gemacht.
Zusätzliche Handelsbeschränkungen schaden der Industrie und Umwelt
Mit der neuen EU-Verordnung über Abfallverbringungen (Waste Shipments Regulation, WSR) stehen Metallrecycler bereits vor zusätzlichen Hürden beim Export von recyceltem Stahl. Weitere Exportbeschränkungen würden die Preise künstlich drücken und eine Reihe negativer Folgen nach sich ziehen:
- Geringere Sammlung und Verarbeitung von Metallabfällen aufgrund fehlender wirtschaftlicher Anreize
- Rückgang der Investitionen in Recyclinginfrastrukturen
- Marktaustritt zahlreicher Recyclingunternehmen wegen fehlender Rentabilität
- Abnahme der Materialverfügbarkeit durch einen geschwächten Recyclingsektor
Fehlinterpretation von Exporten recycelten Stahls
Die Behauptung, dass der Export von recyceltem Stahl zu Umweltproblemen in den Empfängerländern beiträgt, verzerrt die Realität. Recycelter Stahl ist kein Abfall, sondern ein wertvoller Rohstoff für die weltweite Stahlproduktion.
Ein Exportverbot würde viele Stahlhersteller außerhalb Europas zwingen, wieder verstärkt auf emissionsintensive Hochofenprozesse (BOF) zurückzugreifen. Dies würde die globalen CO₂-Emissionen erheblich steigern und Europas klimapolitische Vorreiterrolle untergraben.
Konstruktive Alternativen statt Handelshemmnisse
Statt kontraproduktiver Exportbeschränkungen fordern wir wirksame Maßnahmen zur Förderung einer nachhaltigen Kreislaufwirtschaft für Stahl:
- Einführung verbindlicher Recyclingquoten für Stahl in wichtigen Industriezweigen
- Öffentliche Beschaffungspolitik, die recycelte Materialien bevorzugt
- Förderung von Investitionen und Forschung in der Recyclingbranche
- Einbindung von Recyclingunternehmen in politische Entscheidungsprozesse
EuRIC und BIR setzen sich weiterhin für eine nachhaltige und zirkuläre Metallwirtschaft ein. Wir sind überzeugt, dass funktionierende Märkte – und nicht künstliche Handelshemmnisse – die Basis für Umweltfortschritt sind.
Während die Recyclingindustrie weiterhin in innovative Technologien investiert, laden wir alle Akteure – Produzenten, Verbraucher und politische Entscheidungsträger – zu einem faktenbasierten Dialog ein, um die entscheidende Rolle des Recyclings für eine nachhaltige Zukunft anzuerkennen. Gemeinsam können wir eine Kreislaufwirtschaft fördern, die von offenen Märkten profitiert, anstatt sie zu behindern.
Quelle: European Recycling Industries' Confederation (EuRIC) / Foto: Fotolia