EUROFER warnt: Neue US-Stahlzölle bedrohen europäische Industrie

von Hubert Hunscheidt

Statement von EUROFER-Präsident Dr. Henrik Adam:

"Die von US-Präsident Donald Trump unterzeichnete Executive Order, die einen pauschalen Zoll von 25 % auf alle Stahlimporte verhängt, stellt eine radikale Eskalation des Handelskriegs dar, den er bereits in seiner ersten Amtszeit begonnen hat. Diese Maßnahme wird die Lage der europäischen Stahlindustrie weiter verschärfen und die bereits angespannte Marktsituation zusätzlich belasten.

Unter der bisherigen Umsetzung von Section 232 hatten europäische Stahlproduzenten gewisse Ausnahmen, und die Europäische Kommission hatte ein Zollkontingent (Tariff Rate Quota, TRQ) ausgehandelt. Trotz dieser Ausnahmen und des TRQ sanken die EU-Stahlimporte in die USA um mehr als eine Million Tonnen pro Jahr. Sollten nun alle Produktausnahmen und Zollkontingente entfallen, könnte die EU bis zu 3,7 Millionen Tonnen Stahlexporte in die USA verlieren. Die Vereinigten Staaten sind der zweitgrößte Exportmarkt für europäische Stahlproduzenten und machten im Jahr 2024 rund 16 % der gesamten EU-Stahlexporte aus. Ein erheblicher Verlust dieser Exporte kann durch Verkäufe in andere Märkte nicht kompensiert werden.

Zudem birgt diese Entscheidung das Risiko erheblicher Handelsumlenkungen. Im Jahr 2024 importierte die USA etwa 23 Millionen Tonnen Stahlprodukte aus Drittstaaten außerhalb der EU. Diese Mengen werden nun voraussichtlich in großem Umfang auf den europäischen Markt umgeleitet. Schon heute wird die weltweite Überkapazität im Stahlsektor massiv auf den ohnehin fragilen europäischen Markt abgeladen – zu äußerst niedrigen Preisen, vor allem aus Asien, Nordafrika und dem Nahen Osten. Dies führt dazu, dass notwendige Investitionen in den grünen Wandel unterbleiben und letztlich eine Deindustrialisierung Europas droht. Allein im Jahr 2024 musste die europäische Stahlindustrie neun Millionen Tonnen Produktionskapazität stilllegen, und mehr als 18.000 Stellen wurden abgebaut. Die Executive Order von Präsident Trump wird diese Situation unweigerlich weiter verschärfen.

Der dringende Handlungsbedarf der EU zum Schutz der europäischen Stahlindustrie wird damit immer größer. Wir erwarten von der EU insbesondere folgende Maßnahmen:

  1. Eine dringende Überarbeitung des aktuellen EU-Schutzmechanismus mit wirksamen Maßnahmen, um die dramatische Markt- und Handelssituation angemessen zu reflektieren. Der EU-Schutzmechanismus wurde ursprünglich eingeführt, um die durch die erste Section-232-Maßnahme im Jahr 2018 verursachten Handelsumlenkungen abzufedern. Doch in den vergangenen sechs Jahren hat er durch die Erhöhung der Importkontingente bei gleichzeitig sinkender Nachfrage an Wirksamkeit verloren und Importe konnten erhebliche Marktanteile in der EU gewinnen.

  2. Die Fortführung eines umfassenden Tarifierungssystems als absolute Notwendigkeit. Der derzeitige EU-Schutzmechanismus läuft in weniger als eineinhalb Jahren aus (Ende Juni 2026), während die weltweite Stahlüberkapazität weiter zunimmt und der Protektionismus im Stahlsektor weltweit wächst. Es ist wichtig zu betonen, dass die WTO-Regeln eine umfassende Tarifierung als solche nicht verbieten.

Ohne eine sofortige Verschärfung des aktuellen Schutzmechanismus und der Quotenregelung wird die Umlenkung der durch die neuen US-Stahlzölle verursachten Mengen unweigerlich dazu führen, dass weitere EU-Stahlkapazitäten stillgelegt werden und letztlich Werke geschlossen werden müssen."

Quelle: EUROFER / Foto: marketSTEEL

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