Augen verblitzt, was tun?
von Hubert Hunscheidt

Wenige Sekunden der Unachtsamkeit und schon ist es passiert – die enorme Intensität des grell leuchtenden Plasmas hat die Augen „verblitzt“.
Was ist passiert?
Beim Schutzgas-Schweißen entsteht ein intensiver Lichtbogen. Hierbei wird zwischen der Schweißelektrode und dem Werkstück eine elektrische Spannung angelegt. Ist diese ausreichend hoch, ionisiert das aus dem Schweißbrenner strömende Schutzgas, wodurch ein leitfähiges Plasma entsteht. Dieses Plasma ermöglicht den Fluss elektrischen Stroms, der den Lichtbogen erzeugt. Die freigesetzte Strahlung ist äußerst energiereich und kann ungeschützte Augen schmerzhaft schädigen. Der medizinische Fachbegriff hierfür lautet Keratokonjunktivitis photoelectrica, im Fachjargon auch als „verblitzte“ Augen bekannt. Es handelt sich dabei um eine akute Entzündung der Horn- und Bindehaut, verursacht durch intensive UV-Strahlung.
Woraus besteht ein Lichtbogen?
Das ionisierte Plasma enthält frei bewegliche negativ geladene Elektronen, positiv geladene Ionen und Photonen – das sind Lichtteilchen, die ein breites Spektrum von sichtbarem Licht bis hin zu ultravioletter (UV) und infraroter (IR) Strahlung freigeben. Zudem sind nicht ionisierte neutrale Gasatome und Metalldampf enthalten, wobei Letzterer verdampfte Partikel der Schweißelektrode und des Werkstücks umfasst. Die Lichtbogensäule erreicht Temperaturen zwischen 3.700 und 15.700 Grad Celsius (4.000 bis 16.000 Kelvin).
Lichtarten und Risiko
Der Lichtbogen strömt verschiedene Arten von Strahlung aus, die jeweils unterschiedliche Risiken für die Gesundheit der Schweißfachkräfte darstellen:
Sichtbares Licht kann zu Blendung führen, was die Sicht der Schweißfachkräfte beeinträchtigt und die Arbeitssicherheit gefährdet.
Infrarote (IR) Strahlung kann tiefere Gewebeschichten erreichen und thermische Schäden hervorrufen. Sie wird oft als Wärme wahrgenommen und kann bei längerer Exposition zu Verbrennungen führen.
Ultraviolette (UV) Strahlung ist besonders gefährlich für Augen und Haut. Sie kann die Horn- und Bindehaut der Augen schädigen, was zur bereits erwähnten Keratokonjunktivitis photoelectrica (verblitzte Augen) führt. Auf der Haut kann sie zu Verbrennungen und langfristig zu Hautkrebs führen.
Was tun bei verblitzten Augen?
Franz Bichler, Schweißtrainer bei Fronius International, berichtet: „Früher habe ich mir immer wieder einmal die Augen verblitzt. Oft habe ich die Reflexion der Lichtbögen von naheliegenden Wänden unterschätzt, wenn ich mich in der unmittelbaren Umgebung von Schweißarbeiten aufgehalten habe.“
Viele Schweißer waschen sich die Augen mit steriler Kochsalzlösung aus und legen anschließend in kalte Milch getauchte Tücher auf. Mittlerweile weiß man jedoch, dass diese Art von Selbsthilfe absolut kontraproduktiv ist, da sie die Entzündungsgefahr zusätzlich erhöht. Durch das Verblitzen bilden sich nämlich kleine Narben, die sich leicht entzünden können.
„Ich rate, sofort einen Arzt zu konsultieren, denn mit verblitzten Augen darf man kein Risiko eingehen. Ich kenne Schweißer, die beim WIG-Schweißen kaum noch etwas sehen, weil sie sich jahrelang nicht ausreichend geschützt haben und auch nicht zum Arzt gegangen sind“, betont Bichler.
Statistiken zu Augenverletzungen
Laut der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft (DOG) gibt es jährlich etwa 300.000 Augenverletzungen in Deutschland, von denen 5 % schwerwiegende Auswirkungen haben. Dazu zählen dauerhafte Sehbeeinträchtigungen, chronische Schmerzen und in extremen Fällen sogar Erblindung.
Auch in Österreich sind Augenverletzungen durch Schweißarbeiten ein ernstes Problem. Laut der Allgemeinen Unfallversicherungsanstalt (AUVA) gab es im Jahr 2023 insgesamt 129.866 Arbeitsunfälle, von denen ein erheblicher Teil auf Augenverletzungen zurückzuführen ist. Die AUVA betont, dass viele dieser Verletzungen durch den Einsatz geeigneter Schutzmaßnahmen vermeidbar wären.
Ärztliche Meinungen:
Mit verblitzten Augen ist nicht zu spaßen. Schnelle, professionelle Hilfe ist gefragt, und die kann nur ein Augenarzt bieten. Deshalb betonen Ärzte eindringlich, wie wichtig es ist, Verblitzungen sofort zu behandeln.
„Um langfristige Schäden zu vermeiden, müssen die Symptome ernst genommen und rasch medizinisch versorgt werden. Wenn sie fachkundig behandelt werden, heilen die Verletzungen binnen 24 bis 48 Stunden ab“, erklärt Dr.in Diana Pöppl von der österreichischen Allgemeinen Unfallversicherungsanstalt. Typische Symptome für verblitzte Augen sind Rötung, Tränenfluss, ein Fremdkörpergefühl und Lichtempfindlichkeit. „Als erste Maßnahme sollten Kontaktlinsen entfernt und die Augen geschlossen gehalten werden, ohne mit den Fingern zu reiben, da dies die Entzündung verschlimmern kann“, rät sie und fährt fort: „Zu den üblichen Behandlungen gehören antibiotische Augentropfen und entzündungshemmende Medikamente.“
Wiederholtes Verblitzen
Häufiges Verblitzen kann zu chronischen Entzündungen, dauerhaften Schäden an der Hornhaut und einer erhöhten Anfälligkeit für weitere Verletzungen führen. Es besteht die Gefahr eines Grauen Stars und im schlimmsten Fall sogar der Erblindung.
Schutzmaßnahmen
Um Unfälle zu vermeiden, sollten Schweißerinnen und Schweißer stets geeignete Helme mit UV-Filter tragen. Auch zertifizierte Schweißschutzwände sind wichtig, um alle Personen in der Nähe von Schweißarbeiten zu schützen. „Regelmäßige Pausen und Schulungen sind ebenfalls ratsam“, betont Dr.in Diana Pöppl.
Da Schweißhelme unerlässlich für die Sicherheit von Schweißfachkräften sind, lohnt es sich in Qualität und Zuverlässigkeit zu investieren – zum Beispiel mit einem Helm von Fronius:
Fronius Vizor 4000 Professional: Dieser Helm bietet perfekten Schutz und macht alle Schweißaufgaben sicherer, effizienter und komfortabler.
Fronius Vizor Crystal: Mit seiner einzigartigen Blendschutz-Technologie bietet dieser Helm kristallklare Sicht und optimalen Schutz.
Anerkennung als Berufskrankheit und Renten
In Deutschland werden Augenverletzungen durch UV-Strahlung, wie das Verblitzen der Augen, unter bestimmten Umständen als Berufskrankheit anerkannt. Dies erfolgt durch die Berufsgenossenschaften, die auch für die Rentenzahlungen bei dauerhaften Schäden zuständig sind. Genaue Zahlen zu Renten, die wegen verblitzter Augen gezahlt wurden, sind jedoch nicht öffentlich verfügbar.
In Österreich können Augenverletzungen durch Schweißarbeiten ebenfalls als Berufskrankheit anerkannt werden, sofern ein klarer Zusammenhang zwischen der beruflichen Tätigkeit und der Erkrankung nachgewiesen wird. Die AUVA ist für die Anerkennung und Entschädigung zuständig. Auch hier sind spezifische Zahlen zu Unfallrenten aufgrund verblitzter Augen nicht detailliert veröffentlicht.
Welche Gefahren lauern noch auf das Schweißpersonal?
Die Gefahr, die vom Lichtbogen ausgeht, beschränkt sich nicht nur auf Verblitzen und Verbrennungen. Auch andere Faktoren müssen berücksichtigt werden:
Hohe Temperaturen: Ein Lichtbogen kann Temperaturen von mehreren Tausend Grad Celsius erreichen, was zu schweren Verbrennungen führen kann.
Elektrische Gefahren: Der hohe elektrische Strom, der den Lichtbogen erzeugt, kann bei direktem Kontakt lebensgefährlich sein.
Schmelzspritzer: Durch die hohen Temperaturen können Metallspritzer entstehen, die ebenfalls Verbrennungen verursachen können.
Um sich vor all diesen Gefahren zu schützen, ist es unerlässlich, geeignete persönliche Schutzausrüstung (PSA) zu tragen.
Appell an Unternehmen
Die Sicherheit von Schweißfachkräften muss oberste Priorität haben. Unternehmen sind in der Pflicht, ihre Mitarbeiter umfassend zu schützen und ihnen die bestmögliche Schutzausrüstung bereitzustellen. Dies umfasst nicht nur hochwertige Schweißhelme und Schutzwände, sondern auch regelmäßige Schulungen und Pausen, um die Gesundheit der Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen zu gewährleisten. Fronius unterstützt metallverarbeitende Unternehmen mit einem umfangreichen PSA-Sortiment, das höchsten Sicherheitsstandards entspricht und den Arbeitsalltag der Schweißfachkräfte sicherer macht.
Quelle und Fotos: Fronius Deutschland GmbH